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Erinnerungen

 

Wechselbad der Gefühle - 1.FCK - FC Bayern 7:4

Traumlos... die Königlichen

 

In der Saison 73/74 schickte uns unser damaliges Team durch ein Wechselbad der Gefühle. An diesem 20.Oktober 1973 gegen wen sonst als die Bayern, erlebten wir einen Thriller wie ihn die besten Hollywood-Regisseure hätten nicht besser inszenieren können.
Weder zuvor noch danach waren die Bayern so nahe daran uns ein Debakel zu bereiten, das letztlich über sie hereinbrach.
Der clevere und pfiffige Gersdorff hatte sein Team bereits nach 12.Min. mit 2 Treffern in Führung gebracht. Nach einer halben Stunde ließ Gerd Müller das 3:0 folgen. Zu brav und bieder spielte unser FCK gegen den zukünftigen deutschen Meister, obwohl Seppl Pirrung unmittelbar vor der Pause auf 1:3 verkürzen konnte.
Doch die 57.Minute brachte die Wende, wurde zur Schicksalsminute dieses verrückten Spiel’s. Allem Anschein nach hatte Müller mit dem 1:4 sein Team auf die klare Siegerstrasse gebracht.
Jetzt werden sie uns wohl locker noch zwei, drei reinhauen spekulierten oder vermuteten manche Zuschauer und machten sich bereits auf den Heimweg. Doch im Rausch des sicheren ungewöhnlichen Erfolges ließ die Konzentration der sicher führenden Bayernstars nach, während sich unsere gedemütigte Elf wie ein angeschossenes Tier mit übernatürlicher Kraft aufbäumte.
Vom Anspiel weg stürmte der FCK in Bayerns Strafraum und Toppi erzielte das 2:4. Wäre dieser Treffer nicht sofort gefallen, hätten wir gewiß einpacken können. Doch dieses zweite Tor verwandelte unsere Buben schlagartig, die “Roten Teufel” waren aufgewacht.
Plötzlich wurde gespielt, gekämpft, gelaufen und kombiniert wie wir es in dieser Saison noch nicht gesehen hatten. Jeder Zweikampf wurde gewonnen, jeder Paß kam an, traumhaftes Stellungsspiel und als Krönung dieser Fussballkunst fast jeder Schuss ein Treffer. Der FC Bayern wurde vom Sockel geholt, wie betäubt und stehend K.O. kassierten sie die letzten Tore.
Bei Pirrungs Anschlusstreffer zum 3:4 (61.Min.) ahnten wir, dass es den Bayern jetzt an den Kragen ging.
Die Trauerstimmung auf den Rängen war längst umgeschlagen, der Berg bebte und in der 73.Min. gelang dem Seppl der Ausgleich, man hatte Angst sie würden ihn erdrücken. Ohne Verschnaufpause wurde den Bayern weiter eingeheizt, ihre Abwehr schwindelig gespielt.
Über die Stadtgrenzen hinaus hörte man den Jubelschrei als Ernst Diehl in der 84.Min. den Führungstreffer erzielte. Der Fussballadel von der Isar verfiel in peinliche Resignation, widerstandslos kassierten sie noch zwei weitere Treffer von Laumen. 35.000 waren in Exstase, der ganze Betzenberg lag sich in den Armen. Tänze und Freudengesänge wollten kein Ende nehmen.
Achja... von denen die früher aufgebrochen waren, war ein Großteil wieder zurückgekehrt, die anderen ärgern sich noch heute!  

Ein Traumlos...
... die Königlichen, Real Madrid war der nächste Gegner in der vierten Runde im UEFA-Cup!
Lautern, nein die gesamte Pfalz spielte verrückt. Der Run auf die Karten für das Spiel am 17. März 1982 setzte ein.
Unser damaliger Geschäftsführer und spätere Präsident Norbert Thines war einem Herzinfarkt nahe. Über 100.000 Karten hätten verkauft werden können, auf dem Schwarzmarkt wurden hunderte von Mark für ein Ticket geboten.
Doch schnell zum 03. März, zuerst mussten wir ja bei Real antreten.
Im Bernabeau-Stadion, dem Heiligtum, die Heimat der Königlichen.
Meine Freunde und ich waren beeindruckt, unser Team anscheinend auch.
Was für eine Kulisse, 80.000 sorgten für eine Top-Stimmung.
Viel zu vorsichtig agierte unser 1.FCK, die Spanier kontrollierten von Anfang an das Spiel und führten bereits nach 30.Min. mit 2:0. danach ließen sie es etwas langsamer angehen, jedoch nicht mit den Fouls.
Wir hatten kaum eine Torchance und in der 68.Min. zog Juanito wieder mal ab, Lutz Eigendorfs Fußspitze veränderte noch etwas die Richtung und es stand 3:0. Die Madrilenen hatten ihr Wunschergebnis. dann die 85.Min., der Schiri bewies Mut und pfiff endlich eines der unzähligen Fouls, als sie Hübner im Strafraum legten. Eilenfeldt behielt im Hexenkessel die Nerven und verwandelte eiskalt, unsere Chancen für das Rückspiel waren etwas gestiegen.

Endlich... der 17. März!!!
Unser Heiligtum, “de Betze”, ist restlos ausverkauft.
Eine tolle Stimmung und ein dynamisch, schnell und aggresiv spielender 1.FCK. Wir spürten, da geht heute was.
Jaaa... die 7.Min., Funkel hatte aus spitzem Winkel abgezogen und dem sehr nervösen Torhüter rutschte der Ball zum 1:0 durch die Beine. Und wir lagen uns zum erstenmal in den Armen. Bei Real spürte man die Nervosität, denn nun bekamen sie erst recht die “Hölle Betzenberg” zu spüren.
Mit versteckten und bösen Fouls (wie im Vorspiel) wollten sie unsere Jungs stoppen. Gut, dass der international erfahrene Palotei Konsequenz bewies, bereits nach 15.Min. Isidoro und Hernandez bei bösen Fouls die gelbe Karte zeigte. Doch unsere Mannschaft ließ sich nicht beirren, in der 17.Min. erhöhte wiederum Funkel auf 2:0.
Das Stadion bebte, die Hölle Betzenberg spie Feuer. Ein herrliches Bild, unser Stadion und unsere Superfans in der Westkurve.
Wir wussten wir brauchen einen 3 Tore Sieg und feuerten unsere Teufelskerle noch mehr an. Die Königlichen glänzten nur noch durch überhartes Spiel.
In der 32. und 40. Minute mussten Isidoro und Cunningham nach üblen Fouls vom Platz. Nach dem Seitenwechsel rollte der Teufels-Express weiter.
Uli Stielike und seine Madrilenen erlebten ein Debakel.
Hannes Bongartz in der 50.Min. und Eilenfeldt in der 57.Min. setzten die Treffer zum 3:0 bzw. 4:0. Danach beschimpfte und beleidigte Pineda wegen einer gelben Karte Palotei, der dann den dritten Spanier frühzeitig unter die Dusche schickte.
Der unermüdliche Reiner Geye erhöhte dann in der 73.Min. zum unglaublichen 5:0 Endstand. Selbst einen Elfer konnten die schockierten Gäste nicht gegen Ronnie Hellström verwandeln.
Die Pfalz feierte, nicht nur eine Nacht, das Königliche Real aber, der Stolz Spaniens lag am Boden.
Trainer Boskov konnte sich nicht erinnern jemals eine solch stimmgewaltige Kulisse erlebt zu haben.

Hellström, Wolf, Briegel, Brehme, Geye, Bongartz, Dusek, Eilenfeldt(Brummer), Funkel(Eigendorf) und Hofeditz waren die Helden...
... die Real Bezwinger!